Poesie aus ED

 

Nicolas WachterNicolas Wachter wurde am 01. Mai 1975 in München geboren und lebt seit seiner Kindheit im oberbayerischen Erding. Nach einem Studium der Germanistik (Neuere deutsche Literatur, Germanistische Linguistik und Psychologie), welches durch mehrere Praktika in unterschiedlichen Medienbereichen begleitet wurde, begann Nicolas Wachter seine Arbeit bei einem Fernsehproduktionsunternehmen in München, für welches er drei Jahre lang als Redakteur tätig war. Seit 2009 arbeitet er für eine große Live-Produktion im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo er u. a. für die Recherche und Ideenentwicklung zuständig ist.
In seiner Freizeit beschäftigt sich Nicolas Wachter leidenschaftlich mit phantastischer Literatur, sowie klassischer Dichtung, weshalb er bereits vor vielen Jahren selbst mit dem Schreiben begann. Von der modernen deutschen Lyrik hält Wachter allerdings nur sehr wenig:
„Die einzige Regel an welche sich die neue deutsche Dichtung zu halten scheint, ist jene, die besagt, dass es keine Regeln gibt. Durch die Benutzung so genannter freier Verse („vers libre“), kann heutzutage beinahe jeder irgendwelche Eindrücke auf das Papier rotzen und behaupten, dass es sich dabei um Lyrik handelt. Hier geht eine Kunst zugrunde!“ Um diesem Verfall Einhalt zu gebieten, baut Wachter in seiner Dichtung stets auf klassische Formen. Und damit am Ende auch alles seine Richtigkeit hat, bedient er sich einer todsicheren Methode:

„Was die endgültige Freigabe meiner Verse anbelangt, prüfe ich sie zuletzt immer mit den strengen Augen eines Kobolds. So dass am Ende das Fazit nur lauten darf: Oh, das reimt sich ja – und was sich reimt, ist gut.“ (Pumuckl)

Ein paar seiner hervorragenden Gedichte gibt’s jetzt auf Ein Leben in Erding.

Untiefe

Glitzernd geht die Sonne unter, über dem türkisen Meer
und die Möwen flattern munter, über meinem Boot umher.

Flöten leise Abschiedslieder, mir auf meiner letzten Tour.
Bald, mein Herz, sehn wir uns wieder, bin gleich bei Dir – warte nur!

Warum hast Du mich verlassen, meine kleine Meerjungfrau?
Warum konnt´ ich Dich nicht fassen? Warum riss das Segeltau?

Weshalb sind wir aufgebrochen, in dieser verfluchten Nacht?
Hätt´ ich doch den Sturm gerochen. Hätt´ ich doch den Wind bedacht!

Diesmal Liebling war ich schlauer, habe mich gut informiert,
über Blitz und Regenschauer – Wind und Wetter sind studiert.

Heute falle ich nicht wieder, auf das faule Blau hinein.
Seht, dort ziehen Wolken nieder – bald ist Schluss mit Sonnenschein.

Schon bäumt sich mein Segel auf, und der Himmel färbt sich schwarz.
Oh, wie freu ich mich darauf, bald bin ich bei meinem Schatz.

Gischt spritzt auf, die See schmeckt bitter, endlich hat der Sturm begonnen.
Komm schon, dreckiges Gewitter – herzlich bist Du mir willkommen!

Wasserfluten schlagen über, spielen mit dem kleinen Schiff
und der Sturm peitscht es hinüber, zu dem schicksalsschweren Riff.

König Neptuns Winde wehen, lassen ihn am Fels zerschellen,
und man sieht ihn untergehen, in den meterhohen Wellen.

Lautlos gleitet er hinab, in den dunkelblauen Schlund
und betritt sein feuchtes Grab, auf dem tiefen Meeresgrund.

Langsam sieht man ihn verschwinden, doch er ist nicht mehr allein,
hier nur kann er Frieden finden – kann auf ewig bei ihr sein.

Nicolas Wachter, 07. Mai 2008

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carpe diem

Auf einer Parkbank sitzend, ein Bierchen trinkend fein,
denk ich an morgen schwitzend, an die Klausur Latein.

Wo And’ re grade büffeln, schon seit geraumer Zeit,
tu ich hier lieber süffeln – ich lass mir eben Zeit.

Mit voller Wonne schlürf ich den kühlen Gerstensaft,
die Blumen duften lieblich, die Lerch singt voller Kraft.

So geht der Tag zur Neige, das ist der Erden Brauch,
Latein sagt “carpe diem” – ich nutz den meinen auch.

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Holzvergiftung

Hier liegt ihr Körper kalt und fahl,
ihr Herz durchbohrt mit einem Pfahl.

Warum genau, das weiß man nicht,
so Mancher von ´nem „Unfall“ spricht.

Ein Jeder grübelt und studiert,
stellt Thesen auf und spekuliert.

„Die Alte war ein Hexenwesen
und trieb´s zu doll mit ihrem Besen!“

„Sie ging auf feuchten Gummisohlen
und stolperte beim Brennholz holen.“

„Ich sah sie mal beim Armbrustschießen,
auf dem Turnierplatz Blümchen gießen.“

Ein Bursche meint den Grund zu kennen:
„Sie stolperte beim Staffelrennen.“

Ein Andrer sagt, „So glaubet mir,
sie war ein schrecklicher Vampir!“

…in Wirklichkeit, man fasst es kaum,
fiel sie in einen Gartenzaun,
und das als Profisportlerin!
– im Fallschirm war die Motte drin.

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Sommerregen

Ich schlenderte im Park herum, da bin ich ihr begegnet,
denn plötzlich schlug das Wetter um, und es hat stark geregnet.

Ich suchte mir schnell einem Baum und fand ´ne alte Eiche,
auch Sie suchte, man glaubt es kaum – sie fand genau die gleiche.

Der Schauer dauerte recht lang, doch niemand war in Eile,
wir fingen uns zu küssen an – aus purer Langeweile.

Ihr Abschied fiel mir ziemlich schwer, der Himmel wurde heiter,
sie sagte noch „Adieu“ zu mir und ging dann einfach weiter.

Seit jenem schicksalsschweren Kuss, hab ich sie nicht gesehn,
und hoff´ auf einen Regenguss, beim spazieren gehn.

Nicolas Wachter, 07. Mai 2008

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6 Antworten zu “Poesie aus ED”
  1. [...] Erdinger Nicolas Wachter schreibt seit Jahren Gedichte. Vor einigen Wochen haben sich der Hörspiel-Produzent und Podcaster [...]

  2. [...] Beitrag gegen das Formatradio. Zum Schluss noch als Hoerempfehlung die Radiowelt auf Bayern2 und ein Gedicht von Nicholas Wachter, produziert von Martin Bauer. Der Titel ist allerdings ein Anderer, als ich dachte – tut mir [...]

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